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27.10.2010 von eb , - Aktuelle Bilder

Das liegt im Auge des Betrachters.


DIN-A3/4 Polychromos   Zum Vergr. anklicken.


Immer wieder beliebt. Sprüche, die formal manchmal sogar richtig sind, aber in der Regel immer dann ins Weltall geblasen werden, wenn entweder die Argumente ausgehen, oder ein individueller Status-Quo auf Teufel komm raus überleben will.

Aussagen wie; "Das musst du anders sehen", welche das Gegenüber mit; "das siehst du nicht richtig" beantwortet, lassen zwar auf eine gewisse Selbstüberzeugung schließen, sind aber trotz eines mit Sicherheit folgenden ausdauernden Drehens im Kreise, eher harmlos.

Der Satz; "Das liegt im Auge des Betrachters", hat da schon etwas perfideres an sich. Er wird gerne von Menschen benutzt die damit andeuten wollen, dass jeder Einzelne eine eigene Sicht der Dinge hat. Dies hängt ganz besonders davon ab, was denn so gerade Gegenstand der Betrachtung ist. Schönheit, Kunst, Geschmack und die bevorzugte Farbwahl beim Fischen der Gummibärchen aus der Tüte, sind sicher verständliche und akzeptable Gründe jedem sein individuelles Betrachterauge zu gönnen. Auch Ansichten über Politik, Sozialverhalten und Schwimmbäder sind zweifelsohne individuell zu verorten, haben aber bereits schon bei praktischer Mitwirkung bzw. Wahlverhalten Auswirkungen auf Menschen außerhalb des Betrachters. Schwierig wird es, wenn Sätze fallen wie; Behinderung, Gewalt, Profit, Schmerz oder Krieg .... liegt im Auge des Betrachters. Hier kann man bereits durchaus vermuten, dass der Benutzer des Satzes nicht mehr unterscheiden kann zwischen dem Auge des Ausübenden und dem des Erleidenden. Da wartet der aufmerksame Gesprächsteilnehmer in der Regel, dann auch fast automatisch auf eine gern benutzte Floskel von Küche-, und Gartenphilosophen, die die Relativitätstheorie nicht recht verstanden haben.

Der Hit und absolute Top-Diskussionskiller ist nach wie vor; "Alles ist relativ". Der arme Einstein würde sich wahrscheinlich im Grabe rum drehen, wenn er mitbekommen würde, für was sein Name so alles missbraucht wird. Das Schöne an diesem Allgemeinplatz ist allerdings seine absolute Unrichtigkeit. Die Lichtgeschwindigkeit z.B. ist nicht relativ. Also stimmt das; "Alles", schon mal nicht. Und ohne mindestens einen gleichen Bezugspunkt für alle Beteiligten, lässt sich nichts in Relation zu etwas anderem setzen. Und auch dies ist nicht relativ. Was generell damit gemeint ist, ist der Zustand, dass physikalisch z.B. Messungen von Geschwindigkeiten innerhalb unterschiedlicher Bezugssysteme verschiedene Ergebnisse liefern können, - die alle aber trotzdem richtig sind. Wie betrügerisch Relationen innerhalb von z.B. Wertesystemen sein können, zeigt uns vielleicht folgendes Beispiel, - bei dem fieserweise die perspektivischen Sichten auf die Bezugspunkte ein wenig getauscht wurden.

Die Geschwindigkeit mit der ein Herr Ackermann Geld verdient, ist absolut die gleiche Geschwindigkeit auch für einen Friseur. Lediglich die Geschwindigkeit mit der letzterer seine "eigenen" Brötchen verdient, ist eine andere. Relativ zu Herrn Ackermann betrachtet, ist er deshalb ein armer Schlucker. An dieser "absoluten" Wahrheit, kommt er spätestens dann nicht mehr vorbei, wenn die Brötchenpreise höher liegen als die Einnahmen. Da ein Herr Ackermann damit "relativ" gut klar kommt, liegt es "im Auge des Betrachters", wer von beiden zuerst verhungert.

Dass es nichts gäbe zu dem es relativ sein könnte, wenn alles relativ wäre, stört den Benutzer flotter Sprüche aber nicht. Stattdessen wird damit immer dann jedes Gespräch beerdigt, wenn aus verkaufstechnischen Gründen vermittelt werden soll, dass es entweder keine absoluten Wahrheiten gibt oder eine möglicherweise Akzeptanz von Verantwortung gegenüber Bezugspunkten den Seelenfrieden stört. Oder generell die Inanspruchnahme einer eigenen Position vermieden werden will. Kurzum, es ist einer dieser Gemeinplätze, die vollkommen aus dem Ruder gelaufen sind und besonders von transzendent veranlagten Menschen, immer gerne als Brücke ins Nirwana benutzt werden. Ein Hinweis darauf, ist aber für viele so beklemmend, dass dann meistens das letztmögliche Argument übrig bleibt; "Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung".

Dass jeder das Recht darauf hat, wird wohl keiner bestreiten wollen. So bleibt nach Zuschaufeln des Diskussionsgrabes mittels dieses Argumentes, die Feststellung, dass die Erde eine Scheibe ist, zumindest einem verfassungsrechtlichen Grundsatz treu.


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