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04.08.2010 von eb , - Aktuelle Artikel

Ressource Arktik

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Forschungsexpeditionen, internationale Abkommen, zielgerichtete Außenpolitik und Grenzstreitereien unter Wasser. In Zeiten knapper werdender Ressourcen, werfen drei Kontinente ihren Blick auf ihre vom Eis bedeckten nördlichsten Regionen. Wie in alten Goldgräberzeiten wird schon mal sondiert, welche Claims man abstecken kann. Dabei wird die Welt nach Kontinentaldriften sortiert, wobei die nationalen Interessen innerhalb der Kontinente keine geringere Rolle spielen.

Das Ziel ist klar. Ressourcen. Bodenschätze wie z.B. Zink, Diamanten, Edelmetalle und natürlich Gas und Öl. Das was der Wohlstands-, und deshalb Wirtschaftswachstum orientierte Weltbürger, nicht nur oberhalb des Äquators, eben so gemeinhin als Schatz empfindet. Verwertbare Rohstoffe.

Nordamerika, Europa und Asien sortieren ihre Ansprüche für den kleinsten Ozean der Erde, - für das Nordpolarmeer bzw. den arktischen Ozean, wobei es nicht um viel Wasser mit viel Eis drauf geht. Darum machen sich lediglich Umweltschützer Gedanken. Gedanken, die im Run um Bodenschätze, wieder mal wirtschaftlichem Pragmatismus zum Opfer fallen.

Gestartet wurde der Run bereits 2007 von russischer Seite. Russland war der Meinung, dass das ganze Gebiet bis hin zum Nordpol als Fortsetzung des sibirischen Festlandsockels sowieso Russland gehöre, und platzierte gleich mal die Landesflagge nicht auf dem Eis, sondern mittels zweier Mir-Tauchboote in 4260 Metern Tiefe darunter. Schon damals warnte der Polarforscher Arved Fuchs, mit Blick auf evtl. Ansprüche von Dänemark, Norwegen und Kanada vor einem beginnenden Wettlauf mit Konfliktpotential. Und wie es aussieht, sollte er recht behalten.

Die Rechtslage, ist dabei relativ eindeutig. Nach der auf den Genfer Seerechtskonventionen aufbauenden UN-Seerechtskonvention von 1982 kann ein Land die ausschließliche wirtschaftliche Nutzung eines Seegebiets über die dafür vorgesehene 200-Meilen-Zone beanspruchen, wenn der Meeresgrund eine Fortsetzung seines Festlandsockels ist. Die Russen sehen dies bezüglich des Lomonossow-Rückens der Fall. Dies ist ein unterseeischer Gebirgszug, der sich zwischen Sibirien und Grönland erstreckt. Russland betreibt zwecks Suche nach diesbezüglicher Beweisgrundlage, fast jährlich stattfindende Forschungsexpeditionen, und hatte bereits 2001 einen Antrag auf Anerkennung von Ansprüchen bei der UN gestellt. Was aber abgelehnt wurde. Da Fachleute eine ausreichend schnelle Beweisfindung in Frage stellen, geht man davon aus, dass ein geplanter neuerlicher russischer Antrag 2014 ebenfalls abgelehnt wird.

Die Dänen, sehen die Sache anders herum. Diese sind damit beschäftigt, den Lomonossow-Rücken zu einer Fortsetzung Grönlands, und damit dänischem Territorium zu erklären. Wobei Grönland aber geologisch zum arktischen Nordamerika gezählt werden kann, und sich zudem noch eigene Gedanken um seine Festlandsressourcen macht. Die USA und Kanada sind zur Zeit ebenfalls in einer gemeinsamen Aktion mit den zwei Forschungsschiffen, "Healy" und "Louis S. St-Laurent" unterwegs, um die unterseeischen Grenzen des nordamerikanischen Kontinents zu ermitteln. Hierbei ist noch zu erwähnen, dass die USA im Gegensatz zu Kanada immer noch nicht den UN-Seerechtskonventionen beigetreten sind, was vielleicht eine spezielle Auseinandersetzung mit der diesbezüglich neuen Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels erfordern würde, aber sie dafür auch den Grundsatz der UN-Seerechtskonvention bezüglich eines gemeinsamen Erbes der Menschheit hinsichtlich der Weltmeere ignorieren lässt.

Den tatsächlichen Auslöser kann man durchaus in der Diskussion um Klimaerwärmung sehen. In der Annahme, dass das arktische Eismeer infolge einer Erderwärmung in einigen Jahrzehnten zumindest im Sommer eisfrei sein wird, sieht insbesondere die russische Führung, bezüglich neuer Förderungsmöglichkeiten, die Arktis als strategische Ressource für das kommende Jahrhundert. Was schon der ehemalige Präsident Bush im letzten Jahr seiner Amtszeit bewogen hatte, die Arktis auch aus militärischen Überlegungen heraus zu betrachten, und vom Schutz von arktischen Land- und Seegrenzen zu sprechen.

Die Russen und die Norweger, scheinen sich jedenfalls bei der Aufteilung von Brennstoffen, mittlerweile auch ohne allzu große geologische Beweisführungen einig zu werden, und teilen die Arktis, auch mit ungeklärten Grenzlinien, schon mal recht selbstgefällig unter sich auf. Welche Rolle in Zukunft dabei der 1996 gegründete arktische Rat spielen wird, bleibt abzuwarten. Dieses zwischenstaatliche Forum dem Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA angehören, sieht seine Zuständigkeit neben Klimaschutz, Koordinierung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, dem Interessenausgleich zwischen Anrainerstaaten und indigenen Völkern, - durchaus auch beim Abbau von Bodenschätzen. So, oder so. Der Rummel um den Pol, scheint nicht mehr zu stoppen.


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